everyTUBE

Ein Rezept, keine neue Plattform

Sichten statt Sammlungen

Was Pädagogische Hochschulen, Fachstellen und Lehrpersonen empfehlen, steht längst im Netz, verstreut über Hunderte Websites und Beiträge. KI baut daraus eine Sicht: durchsuchbar, nach Lehrplan geordnet, mit der Herkunft jeder Empfehlung. Die Sicht zeigt auch, wo etwas fehlt und was immer wieder verlinkt wird.

every-TUBE ist das Rezept dafür. Es läuft inzwischen für drei Fächer im Lehrplan 21: Medien und Informatik, Deutsch sowie Natur, Mensch, Gesellschaft. Jede Sicht ist eine Handvoll statischer Dateien, ohne Datenbank, ohne Konten und ohne KI im Betrieb.

98'775Webseiten gelesen
18'982archivierte Seiten, zurück bis 2016
5'528Beiträge von Lehrpersonen auf Mastodon und Bluesky
7'600verschiedene Videos verlinkt gefunden
2'320Videos auf MI-Tube, nach Lehrplan geordnet
61Institutionen und 155 Personen, die empfehlen
MI-Tube, Stand 3.11.2026

Eine Brille statt einer weiteren Sammlung

Hochschulen, Fachstellen und Lehrpersonen pflegen je ihre eigene Liste. Dieselben Videos stehen auf vielen davon, jedes Mal anders eingeordnet. Mit Werkzeugen wie KI lassen sich komplexere Brillen auf diese Daten aufsetzen: Gleiche Videos werden zusammengeführt und nach Lehrplan, Zyklus und Herkunft geordnet. Eine weitere von Hand gepflegte Linkliste braucht es dafür nicht. Kuration braucht es vielleicht weiterhin: jemand, der entscheidet, welche Brille man aufsetzt, und prüft, was sie zeigt.

Echte Daten aus MI-Tube: die sechs Quellen, deren Listen sich am stärksten überschneiden, und Videos, die mehrere von ihnen empfehlen.

Das Rezept in sechs Schritten

Zwei Schritte hängen vom Fach ab, zwei vom Medium. Die übrigen sind für jedes Fach gleich, und alle sechs laufen als Programm, das sich wiederholen lässt.

pro Fach neu festlegenpro Medium einmal pro Medienartgleich für jedes Fach
  1. pro Fach

    Quellen bestimmen

    Welche Hochschulen, Fachstellen, Verlage und Communities empfehlen Material zu diesem Fach? Dazu die Wörter, an denen man passende Seiten und Beiträge erkennt.

    MI-Tube: 96 Websites, 15 Hashtags auf Mastodon, 29 Suchen auf Bluesky
  2. gleich

    Seiten einsammeln

    Seitenlisten aus Common Crawl, ältere Fassungen aus dem Archiv, aktuelle Seiten über die Sitemaps der Websites. Abgerufen wird höflich: eine Anfrage pro Sekunde, robots.txt gilt.

    MI-Tube: 1,5 Mio. Seitenadressen geprüft, 98'775 Seiten gelesen
  3. pro Medium

    Empfehlungen herauslösen

    Auf jeder Seite die Links zum Medium finden und den Text rundherum mitnehmen. Er sagt, wofür jemand das Material empfiehlt.

    MI-Tube: 7'600 verschiedene Videos von YouTube und SRF
  4. pro Fach

    Einordnen mit KI

    Ein Sprachmodell liest Titel und Empfehlungstexte, ordnet nach Lehrplan, Stufe und Zielgruppe und sortiert aus, was nicht zum Fach gehört. Die Regeln stehen in einer Textdatei.

    MI-Tube: 2'388 Videos von Claude eingeordnet, nach 7 Kompetenzbereichen und 3 Zyklen
  5. pro Medium

    Anreichern

    Angaben, die keine Empfehlung enthält: Dauer, Verfügbarkeit, Sperren. Dazu Suchbegriffe in der Sprache der Lehrpersonen und Bedeutungsvektoren für die Themensuche.

    MI-Tube: YouTube-Schnittstelle, 28'304 Suchbegriffe von Claude, 14'223 Wörter mit Vektor (Qwen3, lokal gerechnet)
  6. gleich

    Sicht bauen

    Eine statische Seite mit Suche, Filtern, Playlists, der Herkunft jeder Empfehlung und Auswertungen. Ohne Konto, ohne Werbung, ohne Server, der etwas speichert.

    MI-Tube: 2'320 Videos, 48 Playlists, Seite «Erkenntnisse»

Ein neues Fach braucht eine Datei

Alles Fachspezifische steht in einer einzigen Konfigurationsdatei. Für Deutsch und NMG wurde diese Datei neu geschrieben, und auch dabei half KI: Quellen recherchieren, Lehrplan einlesen, Themenwörter sammeln. Dazu kommen zwei Textdateien mit den Regeln für die Einordnung und für die Suchbegriffe.

  • Lehrplan mit Kompetenzbereichen und Stufen
  • Quellen mit Namen, Land und Art (Hochschule, Fachstelle, Verlag)
  • Themenwörter, an denen man passende Seiten und Beiträge erkennt
  • Hashtags und Suchen für Mastodon und Bluesky
  • Regeln für die Einordnung durch die KI (eine Textdatei)
  • Gleich bleiben die 35 Programme mit rund 10'000 Zeilen: Sammeln, Herauslösen, Einordnen, Anreichern, Seite bauen
{
  "subject": "Medien und Informatik (Lehrplan 21)",
  "media": ["YouTube-Videos", "SRF-Videos"],
  "curriculum": {
    "name": "Lehrplan 21, Modul Medien und Informatik",
    "areas": {
      "MI.1.1": ["Leben in der Mediengesellschaft", …],
      "MI.1.2": ["Medien und Medienbeiträge verstehen", …],
      … 5 weitere Kompetenzbereiche
    }
  },
  "sources": {
    "institutions": {
      "phsz.ch": ["PH Schwyz", "CH", "PH"],
      "phzh.ch": ["PH Zürich", "CH", "PH"],
      "phlu.ch": ["PH Luzern", "CH", "PH"],
      … 93 weitere Quellen
    },
    "mastodon_tags": ["FediLZ", "twlz", "edude", "Schule", …],
  },
  "topic": { "url_pattern": "informati|medien|media|dig…" },
  "labeling": { "rules": "probe/LABELING.md" }
}

Auszug aus instances/mi-tube/instance.json, gekürzt

Drei Fächer, drei Befunde

Dasselbe Rezept liefert in jedem Fach eine Sicht. Die Zahlen zeigen aber, dass die Fächer verschieden dicht empfohlen werden.

MI-TubeDeutsch-TubeNMG-Tube
Verlinkte Videos gefunden7'6004'40412'660
davon zum Fach (KI-Einordnung)31 %16 %31 %
Videos in der Sicht2'3206803'824
Quellen, die empfehlen612649
nur von einer Institution empfohlen78 %90 %88 %
von drei oder mehr Institutionen empfohlen66015
MI ist ein dichtes Feld.Hochschulen und Fachstellen verlinken oft dieselben Videos. Die Sortierung nach Verbreitung trägt.
Deutsch ist dünn.Die Quellen verlinken selten dasselbe, Leseförderstellen kaum Videos. Die Sicht zeigt vor allem, wie wenig es gibt. Auch das ist ein Ergebnis.
NMG ist gross, aber einseitig.Viele Videos stammen von SRF school und von deutschen Portalen. Für die Schweiz braucht es deshalb einen Hinweis, wenn ein Video deutsche Verhältnisse als allgemein darstellt.

Nicht nur Videos

Für ein anderes Medium ändern sich nur Schritt 3 und 5: woran man einen Link erkennt und woher die Zusatzangaben kommen. Umgesetzt sind bisher Videos, der Rest ist Weg und nicht Ziel.

Videos

umgesetzt

Links zu YouTube und SRF. Dauer, Sperren und Verfügbarkeit über die Plattformen.

Bücher

denkbar

ISBN und Links zu Verlagen oder Bibliotheken. Angaben aus Bibliothekskatalogen.

Apps und Tools

denkbar

Links zu App-Stores und Werkzeugen. Preis, Datenschutzangaben und Altersfreigabe.

Podcasts

denkbar

Links zu Folgen und Feeds. Dauer und Sprache stehen im Feed.

Unterrichtsmaterial

denkbar

Arbeitsblätter und offene Materialien aus Portalen. Lizenz und Stufe.

Lehrmittel

denkbar

Verlagsseiten und Zusatzmaterial. Kanton, Ausgabe und Stufe.

Eine Funktion statt einer Plattform

Eine Website mehr, die man kennen muss, ist nicht das Ziel. Das Rezept kann als Funktion in Plattformen laufen, die Lehrpersonen schon nutzen, zum Beispiel in LearningView. Möglich wird das, weil KI das Sammeln, Einordnen und Zusammenstellen günstig macht. Was früher eine Redaktion brauchte, ist ein Ablauf, der sich wiederholen lässt.

Für jedes Fach

  • Medien und Informatik
  • Natur, Mensch, Gesellschaft
  • Deutsch
  • Mathematik
  • DaZ
  • Nachhaltige Entwicklung
  • Berufliche Orientierung
  • Lernstrategien, quer zu allen Fächern

Umgesetzt sind Medien und Informatik, Deutsch sowie Natur, Mensch, Gesellschaft.

  1. Neben dem LernzielWer in der Plattform ein Lernziel plant, sieht daneben, was Hochschulen und Fachstellen dazu empfehlen, gefiltert nach Stufe und Sprache der Klasse.
  2. Für einzelne LernendeDie KI stellt eine Auswahl zusammen: ein einfacheres Erklärvideo, ein Buch in der Erstsprache, ein Werkzeug zum Üben.
  3. Mit HerkunftJede Empfehlung zeigt, wer sie wann und wofür gegeben hat. Lehrpersonen urteilen selbst, statt einer Plattform vertrauen zu müssen.
  4. Mit BefundenDieselben Daten zeigen, was Hochschulen tatsächlich empfehlen und wie sich das über die Jahre verschiebt. Das steht auf keiner ihrer Websites.

Was das Rezept nicht kann

Ein Link ist keine Prüfung.Oft verlinkt heisst verbreitet, nicht geprüft. Institutionen übernehmen Empfehlungen voneinander.
Die KI liest nicht das Material.Sie ordnet nach Titel und dem Text rund um den Link. Rechne mit einigen Prozent Fehlern.
Was nicht offen im Netz steht, fehlt.Manche Websites sperren Crawler, und vieles liegt hinter Logins.
Links veralten.Videos werden gelöscht, Seiten umgebaut. Eine Sicht braucht gelegentlich eine Auffrischung.
Die Quellenliste ist die halbe Antwort.Wer die Liste schreibt, bestimmt, was gefunden wird. Bei MI kannten wir die Szene, bei Deutsch mussten wir sie erst suchen.
Für unbekannte Daten taugt es nicht.Das Rezept braucht bekannte Quellen, ein fertiges Raster wie den Lehrplan und ein Kriterium, das sich in Worte fassen lässt. Fehlt eines davon, muss man zuerst erkunden.
Die Einordnung ist stabil, nicht geprüft.Ein zweiter KI-Durchgang ordnete 94 % von 160 Deutsch-Videos gleich ein. Ob die Videos halten, was Titel und Kontext versprechen, prüft nur, wer sie ansieht.