Selbstreguliertes Lernen · Entwurf zur Ansicht

Die Turbine von innen

Ein Film zum SRL-Turbinen-Modell: Mila bekommt einen Auftrag, und die Turbine zeigt, was dabei in ihr anläuft, stockt und wieder Fahrt aufnimmt. Neu ist Fassung C mit einem anderen Beispiel, dem Wasserkreislauf. A und B zeigen das erste Beispiel, ein Erklärvideo, in zwei Bildsprachen.

CMila und der Wasserkreislauf

Neues Beispiel in der Machart von A: Mila bereitet einen NMG-Vortrag vor und zeichnet dafür den Wasserkreislauf. Text nach der Vorlage der Auftraggeberin.

AModell und Zeichnung

Die Turbine steht als greifbares Modell auf einem Pult, Mila ist dazugezeichnet.

BTusche auf Weiss

Derselbe Film, ganz gezeichnet: schwarze Linie auf Weiss, Farbe nur für die sechs Bereiche.

Worum es geht

Das Modell bei der Arbeit

Der Film stellt das Modell nicht noch einmal als Übersicht vor. Er zeigt es an einem einzigen Auftrag: in Fassung C ein Vortrag über den Wasserkreislauf mit eigener Zeichnung, in A und B ein Erklärvideo von zwei Minuten.

Aussen ein Kind, innen eine Turbine

Jedes Mal, wenn Mila etwas tut, greift ein Rotorblatt. Beim Rückschlag wird die Turbine langsamer – und läuft erst mit Emotionen, Mindset und Hilfe wieder an.

Zum Gegenlesen

Woran sich der Film hält

  • Begriffe wie im Beitrag von Karlen und Held: Vorbereitung, Durchführung, Reflexion; sechs Kompetenzbereiche; drei Leitgedanken im Zentrum.
  • Die Turbine ist der Abbildung des Modells nachgezeichnet, mit den Farben der sechs Bereiche.

Was erfunden ist

  • Mila, Jonas, die Lehrperson und die Aufträge.
  • Der Sprechtext von Fassung C folgt einer Vorlage der Auftraggeberin, ohne Inhaltsverlust gestrafft.
  • Die Stimme ist eine KI-Stimme; die Musik ist eigens für den Film errechnet.
Der Sprechtext von Fassung C im Wortlaut

Einstieg

Das ist Mila. Am Freitag hält sie im NMG-Unterricht einen kurzen Vortrag über den Wasserkreislauf. Mit einer eigenen Zeichnung soll sie der Klasse erklären, wie Wasser verdunstet, Wolken entstehen und Niederschlag fällt. Von aussen sehen wir, wie sie liest, zeichnet und nachdenkt. Das SRL-Turbinen-Modell macht sichtbar, was dabei zusammenwirkt: Kognition, Metakognition, Motivation, Emotionen, Ressourcen und Mindsets. Schauen wir zu.

Den Auftrag klären

Zuerst klärt Mila den Auftrag: Was soll ich erklären können? Was weiss ich schon, wo bin ich unsicher? Regen und Wolken kennt sie. Aber wie kommt das Wasser in die Luft?

Ziel und Plan

Ihr Lernziel: den Wasserkreislauf verstehen und ihn anhand ihrer Zeichnung in eigenen Worten erklären. Dann plant sie: heute zwanzig Minuten lesen und eine erste Zeichnung, morgen prüfen, ob sie die Zusammenhänge verstanden hat, am Donnerstag den Vortrag üben – mit etwas Reserve für offene Fragen. Weil ihr Zeichnungen beim Verstehen helfen, wählt sie diese Strategie.

Metakognition

Das ist Metakognition: Wissen über das eigene Lernen und über geeignete Strategien – und dieses Wissen nutzen, um zu planen, das Verständnis zu überprüfen und das Vorgehen anzupassen. Genug Zeit einzuplanen, gehört zugleich zum bewussten Umgang mit Ressourcen.

Lesen und zeichnen

Jetzt liest Mila den Text und verbindet ihn mit einer Beobachtung: Nach dem Regen verschwinden die Pfützen. Das Wasser ist nicht einfach weg – es verdunstet. Sie zeichnet den Kreislauf mit Pfeilen und erklärt ihn sich in eigenen Worten: Wasser verdunstet und gelangt als Wasserdampf in die Luft. Kühlt die feuchte Luft ab, kann der Dampf zu kleinen Tröpfchen kondensieren. So entstehen Wolken.

Kognition

Das ist Kognition: Informationen verarbeiten, mit dem Vorwissen verknüpfen und ordnen – so versteht und behält Mila den Inhalt. Mit kognitiven Strategien arbeitet sie am Inhalt, mit metakognitiven beobachtet und steuert sie ihr Lernen.

Selbstüberprüfung

Am nächsten Tag legt sie den Text weg und erklärt den Kreislauf nur anhand der Zeichnung. Bei den Wolken stockt sie. Diese Selbstüberprüfung zeigt ihr eine Verständnislücke. Sie liest die Stelle nochmals und ergänzt die Zeichnung. Das dauert länger als erwartet, also passt sie ihren Zeitplan an. So greifen die Bereiche ineinander: überprüfen, gezielt weiterverarbeiten, die Zeit neu einteilen.

Motivation

Mila will wissen, wie Regen entsteht, und traut sich zu, es zu verstehen. Interesse, ein persönlich bedeutsames Ziel und Zutrauen in die eigenen Fähigkeiten stärken ihre Motivation. Trotzdem verliert sie zwischendurch die Lust. Sie erinnert sich an ihre Ausgangsfrage und nimmt sich einen kleinen nächsten Schritt vor: zuerst die Wolkenbildung. So hilft sie sich selbst beim Dranbleiben.

Emotionen

Als sie wieder stockt, ärgert sie sich. Sie bemerkt den Ärger, macht eine kurze Pause und atmet durch. Danach kann sie weitermachen. Das sind Emotionen: Gefühle wahrnehmen und so mit ihnen umgehen, dass Lernen möglich bleibt.

Mindset

Mila denkt: «Ich verstehe es noch nicht ganz. Mit einer anderen Erklärung und mehr Übung kann ich es lernen.» Darin zeigt sich ihr Mindset: ihre Überzeugung, ob und wie sie ihre Fähigkeiten weiterentwickeln kann. Eine Schwierigkeit ist für sie kein Zeichen von Unfähigkeit, sondern ein Anlass, anders vorzugehen.

Ressourcen

Sie fragt Jonas gezielt: «Was passiert mit dem Wasserdampf, wenn er abkühlt?» Dann versucht sie es wieder selbst. Auch ihre Ressourcen nutzt sie bewusst: Zeit einplanen, Störendes weglegen und Unterstützung holen, wenn sie allein nicht weiterkommt.

Üben

Am Donnerstag übt sie den Vortrag mit der Zeichnung und prüft: Ist meine Erklärung verständlich? Stimmen die Begriffe? Gelingt es ohne Text?

Vortrag und Rückblick

Am Freitag hält sie den Vortrag. Danach blickt sie zurück: Habe ich mein Lernziel erreicht, und woran merke ich das? Was hat geholfen? Was mache ich nächstes Mal anders? Die Zeichnung hat ihr geholfen, die Zusammenhänge zu ordnen. Beim freien Erklären hat sie gemerkt, was ihr noch fehlte. Für schwierige Stellen plant sie künftig früher mehr Zeit ein.

Lernzyklus

Auch diese Reflexion ist Metakognition. Ihre Erfahrungen fliessen in die nächste Vorbereitung ein – so entsteht ein Lernzyklus: vorbereiten, durchführen, reflektieren und mit neuen Erkenntnissen weiterlernen.

Alle zusammen

Die sechs Kompetenzbereiche wirken dabei zusammen und gehören nicht zu einer einzelnen Phase. Wir haben sie nur einzeln betrachtet, damit ihre Funktionen sichtbar werden.

Im Zentrum

Im Zentrum des Modells stehen drei Leitgedanken: Kompetenzen entfalten, eigenverantwortlich handeln und Beziehungen gestalten. Mila erlebt, dass sie etwas verstehen kann, dass sie ihr Vorgehen mitgestaltet und dass sie Unterstützung bekommen darf.

Und du?

Solche Lernkompetenzen entwickeln sich mit Übung und Begleitung. Als Lehrperson kannst du zeigen, wie du selbst einen Inhalt erschliesst, dein Lernen planst, dein Verständnis überprüfst und mit Schwierigkeiten umgehst. Dann übst du diese Strategien mit den Lernenden, damit sie ihr Lernen zunehmend selbstständig gestalten.

Der Sprechtext von Fassung A und B im Wortlaut

Einstieg

Das ist Mila. Sie sitzt vor ihrem Tablet und arbeitet an einem Auftrag. Mehr siehst du von aussen nicht. Was dabei in ihr läuft, beschreibt das SRL-Turbinen-Modell von Yves Karlen: sechs Kompetenzbereiche, die ineinandergreifen wie die Rotorblätter einer Turbine – und drei Phasen, die den Lernprozess in Bewegung halten. Schauen wir der Turbine bei einem einzigen Auftrag zu.

Vorbereitung

Der Auftrag: ein Erklärvideo von zwei Minuten. Thema und Form wählt Mila selbst. Abgabe ist am Freitag. Zuerst klärt sie, was verlangt ist, und plant ihre Schritte: erst das Storyboard, dann die Aufnahme. Das ist Metakognition. Sie ordnet, was sie zum Thema weiss, und überlegt, was ins Bild muss. Kognition. Sie nimmt ein Thema, das sie wirklich interessiert, und traut sich das Video zu. Motivation. Und sie teilt ihre Zeit ein und schaltet am Tablet die Mitteilungen stumm. Ressourcen. Vier Blätter greifen. Die Turbine läuft an.

Durchführung

Mila zeichnet, spricht, nimmt auf. Zwischendurch hält sie an und vergleicht: Passt das noch zu meinem Plan? Dann der Rückschlag. Die Aufnahme dauert vier Minuten statt zwei, und der Ton ist kaum zu verstehen. Ärger steigt hoch. Am liebsten würde sie jetzt etwas ganz anderes öffnen. Die Turbine wird langsamer. Jetzt zeigt sich, wozu die anderen Blätter da sind. Mila legt das Tablet kurz weg und atmet durch. Sie reguliert ihre Emotionen. Sie sagt sich: Der Fehlversuch zeigt mir, was ich ändern muss. Das ist ihr Mindset. Und sie fragt Jonas, wie er seinen Ton aufgenommen hat. Auch Hilfe holen gehört zu den Ressourcen. Dann streicht sie zwei Szenen und nimmt neu auf. Die Turbine nimmt wieder Fahrt auf.

Reflexion

Am Freitag läuft das Video vor der Klasse. Danach schaut Mila zurück: Habe ich mein Ziel erreicht? Was hat geholfen? Das Storyboard. Und eine Probeaufnahme hätte ihr viel Zeit gespart. Das nimmt sie mit in den nächsten Auftrag. Darum hat dieser Prozess kein Ende: Aus der Reflexion wird die nächste Vorbereitung.

Im Zentrum

Und was hält die Turbine in der Mitte zusammen? Mila hat erlebt, dass sie etwas kann. Sie hat selbst entschieden, wie sie vorgeht. Und sie war dabei nicht allein. Kompetenzen entfalten, eigenverantwortlich handeln, Beziehungen gestalten.

Und du?

Keines dieser Blätter ist angeboren. Sie lassen sich aufbauen – und hier kommst du ins Spiel. Du kannst Strategien direkt zeigen und mit den Lernenden einüben. Und du kannst Aufträge so stellen, dass sie diese Strategien brauchen: mit einem klaren Ziel, echten Entscheidungen und Haltepunkten unterwegs. Je stärker die sechs Bereiche sind und je besser sie zusammenspielen, desto kraftvoller läuft die Turbine. Wie du sie in Gang bringst, zeigen dir die nächsten Lektionen.