Einstieg
Das ist Mila. Am Freitag hält sie im NMG-Unterricht einen kurzen Vortrag über den Wasserkreislauf. Mit einer eigenen Zeichnung soll sie der Klasse erklären, wie Wasser verdunstet, Wolken entstehen und Niederschlag fällt. Von aussen sehen wir, wie sie liest, zeichnet und nachdenkt. Das SRL-Turbinen-Modell macht sichtbar, was dabei zusammenwirkt: Kognition, Metakognition, Motivation, Emotionen, Ressourcen und Mindsets. Schauen wir zu.
Den Auftrag klären
Zuerst klärt Mila den Auftrag: Was soll ich erklären können? Was weiss ich schon, wo bin ich unsicher? Regen und Wolken kennt sie. Aber wie kommt das Wasser in die Luft?
Ziel und Plan
Ihr Lernziel: den Wasserkreislauf verstehen und ihn anhand ihrer Zeichnung in eigenen Worten erklären. Dann plant sie: heute zwanzig Minuten lesen und eine erste Zeichnung, morgen prüfen, ob sie die Zusammenhänge verstanden hat, am Donnerstag den Vortrag üben – mit etwas Reserve für offene Fragen. Weil ihr Zeichnungen beim Verstehen helfen, wählt sie diese Strategie.
Metakognition
Das ist Metakognition: Wissen über das eigene Lernen und über geeignete Strategien – und dieses Wissen nutzen, um zu planen, das Verständnis zu überprüfen und das Vorgehen anzupassen. Genug Zeit einzuplanen, gehört zugleich zum bewussten Umgang mit Ressourcen.
Lesen und zeichnen
Jetzt liest Mila den Text und verbindet ihn mit einer Beobachtung: Nach dem Regen verschwinden die Pfützen. Das Wasser ist nicht einfach weg – es verdunstet. Sie zeichnet den Kreislauf mit Pfeilen und erklärt ihn sich in eigenen Worten: Wasser verdunstet und gelangt als Wasserdampf in die Luft. Kühlt die feuchte Luft ab, kann der Dampf zu kleinen Tröpfchen kondensieren. So entstehen Wolken.
Kognition
Das ist Kognition: Informationen verarbeiten, mit dem Vorwissen verknüpfen und ordnen – so versteht und behält Mila den Inhalt. Mit kognitiven Strategien arbeitet sie am Inhalt, mit metakognitiven beobachtet und steuert sie ihr Lernen.
Selbstüberprüfung
Am nächsten Tag legt sie den Text weg und erklärt den Kreislauf nur anhand der Zeichnung. Bei den Wolken stockt sie. Diese Selbstüberprüfung zeigt ihr eine Verständnislücke. Sie liest die Stelle nochmals und ergänzt die Zeichnung. Das dauert länger als erwartet, also passt sie ihren Zeitplan an. So greifen die Bereiche ineinander: überprüfen, gezielt weiterverarbeiten, die Zeit neu einteilen.
Motivation
Mila will wissen, wie Regen entsteht, und traut sich zu, es zu verstehen. Interesse, ein persönlich bedeutsames Ziel und Zutrauen in die eigenen Fähigkeiten stärken ihre Motivation. Trotzdem verliert sie zwischendurch die Lust. Sie erinnert sich an ihre Ausgangsfrage und nimmt sich einen kleinen nächsten Schritt vor: zuerst die Wolkenbildung. So hilft sie sich selbst beim Dranbleiben.
Emotionen
Als sie wieder stockt, ärgert sie sich. Sie bemerkt den Ärger, macht eine kurze Pause und atmet durch. Danach kann sie weitermachen. Das sind Emotionen: Gefühle wahrnehmen und so mit ihnen umgehen, dass Lernen möglich bleibt.
Mindset
Mila denkt: «Ich verstehe es noch nicht ganz. Mit einer anderen Erklärung und mehr Übung kann ich es lernen.» Darin zeigt sich ihr Mindset: ihre Überzeugung, ob und wie sie ihre Fähigkeiten weiterentwickeln kann. Eine Schwierigkeit ist für sie kein Zeichen von Unfähigkeit, sondern ein Anlass, anders vorzugehen.
Ressourcen
Sie fragt Jonas gezielt: «Was passiert mit dem Wasserdampf, wenn er abkühlt?» Dann versucht sie es wieder selbst. Auch ihre Ressourcen nutzt sie bewusst: Zeit einplanen, Störendes weglegen und Unterstützung holen, wenn sie allein nicht weiterkommt.
Üben
Am Donnerstag übt sie den Vortrag mit der Zeichnung und prüft: Ist meine Erklärung verständlich? Stimmen die Begriffe? Gelingt es ohne Text?
Vortrag und Rückblick
Am Freitag hält sie den Vortrag. Danach blickt sie zurück: Habe ich mein Lernziel erreicht, und woran merke ich das? Was hat geholfen? Was mache ich nächstes Mal anders? Die Zeichnung hat ihr geholfen, die Zusammenhänge zu ordnen. Beim freien Erklären hat sie gemerkt, was ihr noch fehlte. Für schwierige Stellen plant sie künftig früher mehr Zeit ein.
Lernzyklus
Auch diese Reflexion ist Metakognition. Ihre Erfahrungen fliessen in die nächste Vorbereitung ein – so entsteht ein Lernzyklus: vorbereiten, durchführen, reflektieren und mit neuen Erkenntnissen weiterlernen.
Alle zusammen
Die sechs Kompetenzbereiche wirken dabei zusammen und gehören nicht zu einer einzelnen Phase. Wir haben sie nur einzeln betrachtet, damit ihre Funktionen sichtbar werden.
Im Zentrum
Im Zentrum des Modells stehen drei Leitgedanken: Kompetenzen entfalten, eigenverantwortlich handeln und Beziehungen gestalten. Mila erlebt, dass sie etwas verstehen kann, dass sie ihr Vorgehen mitgestaltet und dass sie Unterstützung bekommen darf.
Und du?
Solche Lernkompetenzen entwickeln sich mit Übung und Begleitung. Als Lehrperson kannst du zeigen, wie du selbst einen Inhalt erschliesst, dein Lernen planst, dein Verständnis überprüfst und mit Schwierigkeiten umgehst. Dann übst du diese Strategien mit den Lernenden, damit sie ihr Lernen zunehmend selbstständig gestalten.