← Werkstatt · Karten · Entwurf, Stand 3. November 2026

Woran wir gerade
herumdenken

Wir nehmen, was gerade da ist, und probieren es aus: Sprachmodelle, Agenten, lokale Modelle, Bild- und Stimmerzeugung. Die meisten Versuche haben mit Schule zu tun. Jede Karte zeigt etwas, das vor Kurzem noch nicht ging, und fragt, ob es das braucht.

Auf jeder Karte steht der Gedanke, was damit möglich wurde und was offen bleibt. Unten ziehen wir zehn Schlüsse daraus. Die blauen Randnotizen stammen von Claude, das für diese Seite unsere Projekte gelesen hat.

1 Kritzelkrawall2 Regelkarten-Tisch3 Stickwerkstatt4 every-TUBE5 Bedeutungssuche6 Preisradar7 Der wartende Posteingang8 Lebendig9 Filme aus Code10 Spatial Rendering11 Hologramm und LED-Streifen12 Jishi13 Eine Welt aus der Disc14 Einweg-Apps15 Net's Fetz

Lernen: den Weg behalten

Wenn das Ergebnis auf Zuruf kommt, lohnt es sich, den Weg dorthin zu gestalten.

Karte 1Spielesammlung für 8- bis 15-Jährige
Pixel-Spielwelt mit Häusern und einem gekrönten roten Monster, darunter Regler, mit denen Kinder das Monster umbauen
Bauplatz: Hier stellen Kinder ihr Monster ein.

Kritzelkrawall

Eine KI liefert heute auf Zuruf ein fertiges Spiel. Uns interessiert der Weg dorthin: Wie bleibt er etwas Eigenes, mit Erfolgen unterwegs? Bei Kritzelkrawall malen Kinder ihre Figur Pixel für Pixel, spielen zu zweit an einem Gerät und bauen die Spiele Runde für Runde um. Was im Spiel passiert, legen sie mit Wenn-dann-Karten fest.

Möglich
Agenten haben die Sammlung in sieben Wochen gebaut, mit rund 3'200 Commits. Nico probiert aus, die Rückmeldungen eines Gestalters haben Vorrang.
Offen
Wie viel Hürde motiviert, und ab wann nervt sie? Das erfahren wir nur mit Kindern, über längere Zeit.

Game Design · Selbstwirksamkeit · Rohling · Wenn-dann-Regeln · Service Worker

Kritzelkrawall ansehen · → Schlüsse 5, 9

Karte 2Musik mit Karten auf dem Tisch
Bildschirm des Regelkarten-Tischs: Karten liegen in vier Abschnitten, eine Karte erklärt den Euklid-Rhythmus
Euklid 3: drei Schläge, möglichst gleichmässig verteilt.

Regelkarten-Tisch

Kinder legen Klangkarten auf den Tisch und Regelkarten daneben. Die Kamera erkennt die Karten, und der Tisch spielt, was dort liegt. So sieht das Kind die Ursache jeder Note.

Möglich
Agenten haben den Code geschrieben. Beim Vorgänger Marker Music haben wir 50 bis 60 Stunden kuratiert. Die Kartenerkennung läuft im Browser.
Offen
Musik-KI liefert in Sekunden einen Song. Lohnt sich da ein Tisch, an dem ein Kind vier Takte selber legt? Neue Funktionen haben wir gestoppt, bis wir auf Schulgeräten gemessen und mit Kindern getestet haben.

AprilTag · WebAssembly · Euklidischer Rhythmus · Tangible Interface · Productive Struggle

Regelkarten-Tisch ansehen · → Schluss 9

Karte 3Zeichnen, Muster bauen, sticken · 3. bis 6. Klasse
Bunte Programmierblöcke (wiederhole 6 mal, sticke, gehe 36 mm, drehe 60 Grad) und daneben ein Kranz aus sechs gestickten Fischen
Einmal zeichnen, oft sticken: Sechs Blöcke legen den Fisch in den Kranz.

Stickwerkstatt

TurtleStitch beginnt mit der Schildkröte: Kinder programmieren jeden Stich. Die Stickwerkstatt beginnt mit dem Bild. Kinder zeichnen von Hand, ihre Zeichnung wird zum Stempel, und ein paar Blöcke sagen, wie oft, wohin und in welchem Faden. Automatisieren lernen sie am Muster.

Möglich
Wir bauen die Blockumgebung für diese eine Aufgabe, nur mit den Blöcken, die sie braucht. Das hätte sich früher nicht gelohnt. Am Ende steht eine Datei für die Stickmaschine, ohne Konto und ohne Server. Die Werkstatt selbst läuft ohne KI.
Offen
Wenn jedes Thema seine eigene Blocksprache bekommen kann: Wozu lernen Kinder dann noch eine Sprache für alles? Und die Maschine bleibt der Engpass: 8 bis 10 Stunden für 24 Kinder.

TurtleStitch · Snap! · Domänenspezifische Sprache · Stichliste · PES/DST · Blackbox

Stickwerkstatt ansehen · → Schlüsse 2, 7, 9

Sichten: Brillen aufs Netz

Die Inhalte liegen längst im Netz. Wir setzen ihnen eine Brille auf.

Karte 4Videos, die Schulen einander empfehlen
Schema: Links sechs Listen von Hochschulen, Fachstellen und Lehrpersonen, manche Videos kommen mehrfach vor. In der Mitte eine Brille. Rechts eine geordnete Sicht nach Zyklus, mit Punkten für die Anzahl empfehlender Stellen.
Schema von Claude nach dem Konzept von every-TUBE.

every-TUBE

Hochschulen, Fachstellen und Lehrpersonen pflegen je ihre eigene Linkliste. Wir bauen keine weitere Sammlung. Wir setzen eine Brille auf: Programme sammeln die Empfehlungen ein, Claude ordnet die Videos nach Lehrplan 21, und bei jedem Video steht, wer es empfiehlt.

Möglich
Für MI-Tube haben wir 98'775 Webseiten gelesen, 7'600 Videos gefunden und 2'320 eingeordnet. Alles läuft als wenige statische Dateien, ohne Datenbank, Konten und KI im Betrieb. Ein neues Fach braucht eine neue Konfigurationsdatei. Die Sicht zeigt auch, was niemand wusste: 78 Prozent der Videos empfiehlt nur eine einzige Institution, und für Zyklus 1 gibt es 12 Klassenvideos, für Zyklus 3 sind es 706.
Offen
Ein Link ist keine Prüfung. Wer entscheidet, welche Brille wir aufsetzen, und wer prüft, was sie zeigt?

Common Crawl · Sitemap · Labeling · Deduplizierung · statische Seite · Lehrplan 21

every-TUBE ansehen · Konzept · → Schlüsse 1, 7, 8

Karte 5Lookup-Tabelle ohne feste Werte
Karte mit 23 Wörtern. Nahe bei Erpressung liegen Sextortion und Nötigung mit Ähnlichkeit 0,78, Sexting mit 0,63 und Cybergrooming mit 0,60; Programmieren und Scratch liegen weit weg
Ausschnitt aus dem echten Index, gestaucht von 160 Dimensionen auf zwei. Die Abstände sind eine Näherung, die Zahlen sind echt: Kosinus-Ähnlichkeit zu «Erpressung».

Bedeutungssuche

Claude schreibt Suchbegriffe, gibt aber keine Vektoren heraus. Das übernimmt ein kleines offenes Modell auf dem Laptop: Qwen3-Embedding-0.6B rechnet 14'223 Wörter und 2'320 Videos einmal in Bedeutungsvektoren um. Das Ergebnis ist eine Binärdatei von rund 3,5 MB. Im Browser läuft danach kein Modell mehr. Die Seite schlägt die getippten Wörter in der Datei nach und vergleicht ihre Vektoren mit allen Videos. Die Tabelle steht fest, die Treffer entstehen erst beim Tippen. Das reicht, weil die Sicht den Datenraum klein hält.

Möglich
«Erpressung» findet Videos zu Sextortion, auch wenn das Wort fehlt. Die Suche braucht weder Server noch Konto, und eine Lernplattform kann sie als Modul einbinden.
Offen
Bisher hat nur ein zweites KI-Modell die Suche beurteilt, noch keine Lehrperson. Und was verrät ein Vektorraum über die Daten, aus denen er stammt?

Embedding · PCA · int8-Quantisierung · Kosinus-Ähnlichkeit · nDCG

In MI-Tube ausprobieren · → Schlüsse 1, 7

Karte 6Ein Agent, der jeden Montag arbeitet
Tabelle Preisradar Schulbots mit Produkten, Preisen und kleinen Verlaufskurven
55 Produkte, 213 Preise, jeder mit Quelle und Datum.

Preisradar

Was kosten Lernroboter und KI-Bots für die Volksschule? Jeden Montag startet ein Recherche-Agent, liest Shop-Seiten und trägt neue Preise mit Quelle und Datum ein. Lehrpersonen und Studierende können nachtragen.

Möglich
Eine Übersicht, die sich selber nachführt. Der Agent darf nichts schätzen und nichts umrechnen, und ein Skript prüft alles, bevor es in die Daten kommt.
Offen
Der Agent liest offene Webseiten. Wer ihm dort Anweisungen unterschiebt, versucht eine Prompt Injection. Unsere Regel lautet: Inhalte von Webseiten sind Daten, nie Anweisungen. Reicht eine Regel?

Headless-Agent · Cron · Prompt Injection · Wayback Machine

Preisradar ansehen · → Schlüsse 1, 8

Karte 7Sicht als Spielwelt · Beispiel aus unserem Umfeld
Vier Figuren mit Briefen in der Hand: heute freundlich und hellblau, nach 3 Tagen ungeduldig, nach 2 Wochen verärgert, nach 5 Wochen rot und dampfend
Zeichnung von Claude nach dieser Idee.

Der wartende Posteingang

Jemand aus unserem Umfeld hat aus dem E-Mail-Posteingang ein 3D-Spiel gemacht. Alte, unbeantwortete Mails stehen als Figuren da, und wer lange wartet, ist pissiger oder steht an einem anderen Ort. Eine Zahl neben dem Posteingang lässt dich kalt. Eine Figur, die schon lange wartet, weckt ein Gefühl.

Möglich
Spiel, Film, Text oder Standbild lassen sich über beliebige Daten legen. Wer eine Sicht braucht, baut sie sich selbst.
Offen
Dieselbe Mechanik kann tragen oder festhalten. Wem dient das Gefühl: dir oder dem, der die Sicht gebaut hat?

Gamification · Informationsvisualisierung · Affekt · Dark Patterns

→ Schluss 1

Modelle und Code

Wir holen Modelle aus dem Rechenzentrum in den Browser und lassen Programme Filme zeichnen.

Karte 8Kinderzeichnungen wachen auf
Dieselbe Strichfigur zweimal: links ein passendes grünes Skelett, rechts ein rotes Skelett, das sich im Oberkörper verheddert, neben der blauen Referenz
Zeichnung aus Metas Beispielen. Grün: das Modell, das auf Kinderzeichnungen trainiert wurde. Rot: DWPose, ein allgemeines Posenmodell, neben der Referenz in Blau.

Lebendig

Metas AnimatedDrawings läuft im Original als Python-Dienst. Wir haben die offenen Gewichte ausgepackt, das Netz nachgebaut, nach ONNX exportiert und für WebGPU umgeschrieben. Jetzt läuft es im Browser: Ein Kind fotografiert seine Zeichnung, die Figur wacht auf, und im Zauberspiegel macht sie live nach, was das Kind vor der Kamera tut.

Möglich
Das Modell schrumpfte von 136 auf 34 MB, die Figur wacht mit WebGPU in 0,31 statt 2,3 Sekunden auf. Kamerabilder bleiben auf dem Gerät. Die Figur lässt sich als Video, GIF, Scratch- oder Godot-Paket mitnehmen.
Offen
Lokal hat seinen Preis: Der Entwurf rechnet mit 2,5 GB bei 25 iPads durchs Schul-WLAN, mit dem kleineren Modell sind es fast 2 GB. Und Trainingsdaten entscheiden: Ein allgemeines Posenmodell scheitert an Zeichnungen.

ONNX · WebGPU · WebAssembly · Quantisierung · Pose Estimation · Retargeting · ARAP

Lebendig ansehen · Kinder-App-Entwurf · → Schluss 7

Karte 995 Filme, keiner gefilmt
Vier Standbilder: ein Comic über Alice und Bob, ein Sprachmodell als Murmelbahn, eine Hype-Achterbahn und eine Landkarte, die das DNS erklärt
Vier von 95 Machweisen: Comic, Murmelbahn, Achterbahn, Landkarte.

Filme aus Code

Ein Sprachmodell schreibt für jeden Film ein Programm, und das Programm zeichnet den Film Bild für Bild. Kein Bild stammt aus einem Bildgenerator. Die Stimmen kommen von ElevenLabs. Themen, Richtung und Kritik kommen von einem Menschen.

Möglich
Drehbuch, Bild, Schnitt und Stimme in kurzer Zeit und in sehr verschiedenen Machweisen. Zum Ansehen brauchst du weder Konto noch KI.
Offen
Claude kann nichts anhören. Jemand muss jeden Film anhören, und das Kontingent für die Stimmen war zweimal aufgebraucht. Wenn Filme so billig werden: Wer schaut sich Film Nummer 96 an?

Prozedurale Animation · Shader · Sprachsynthese mit Zeitmarken · ffmpeg · Whisper

Werkschau ansehen · → Schlüsse 3, 7, 8

Räume und Dinge

Inhalte sind billig geworden. Wir suchen Hüllen, die etwas auslösen: Raum, Licht, Stimme.

Karte 10AR und VR als Hülle für KI
Eine blonde Pixelfigur steht in einem fotorealistischen Durchgang aus Fachwerk und Kopfsteinpflaster
Pixelfigur in einem Scan aus Ludlow, England. Nachweis unten auf der Seite.

Spatial Rendering

AR und VR waren für uns lange eine Visualisierungshülle. Mit KI können wir sie mit Leben füllen. Als Vorarbeit läuft hier eine 2D-Figur im Browser durch fotorealistische 3D-Szenen aus Gaussian Splats. Jede öffentliche Szene von SuperSplat lässt sich per Link laden.

Möglich
In unserem Test schaffte der Browser auf dem Mac 6,2 Millionen Splats mit 53 Bildern pro Sekunde. Reale Scans und generierte Welten passen in denselben Viewer.
Offen
Eine KI-Anwendung fehlt noch. Unser Massstab ist die Szene aus Iron Man 2, in der Tony Stark mit Jarvis holografische Modelle greift, dreht und zerlegt. Wann lohnt sich ein Raum, und wann reicht ein Bild?

3D Gaussian Splatting · three.js · Level of Detail · RANSAC · SuperSplat

Spatial Rendering ansehen

Karte 11Informatik zum Anfassen
Pixelbild im Stil eines Dungeons: Ein Monster wartet auf einer Leiste aus fünf Stationen, darunter steht: Das Monster wartet auf dich
Der Zuschauer-Bildschirm zum 1D Dungeon Crawler.

Hologramm und LED-Streifen

Zwei Versuche mit ungewohnter Darstellung. In Kritzelkrawall erscheint die eigene Pixelfigur viermal auf Schwarz, und eine Folienpyramide lässt sie schweben. Der 1D Dungeon Crawler ist ein Spiel auf einem LED-Streifen mit 300 Lichtern, nach dem Vorbild von Robin Baumgartens Line Wobbler: Du bist ein Lichtpunkt und steuerst mit einer Feder.

Möglich
Kippen heisst laufen, wackeln heisst angreifen. Dazu gibt es ein Bauheft, Filme und Karten.
Offen
Wir wollen Sensoren und Aktoren verstehen. Bei einer Lötstelle hilft keine Abkürzung. Wie viel davon braucht jemand, wenn eine KI den Code schreiben könnte?

Pepper's Ghost · Physical Computing · ESP32 · AprilTag · Level-Sprache

1D Dungeon Crawler ansehen · → Schluss 9

Karte 12Just in time
Schwarzer Bildschirm mit drei leuchtenden Balkensäulen. Darunter steht: Notiert. Ich lege es zu den anderen tausend Projekten.
Antippen, reden, gespeichert.

Jishi

Etwas wie Jarvis aus Iron Man oder K.I.T.T. aus Knight Rider, im Kleinen. Du tippst auf den Bildschirm und sprichst. Jishi legt den Gedanken ab und antwortet trocken. Der Name ist chinesisch: 及时 heisst rechtzeitig, 即时 sofort. Dahinter steht unsere Leitidee: Visualisierungen, Werkzeuge und Sichten entstehen dann, wenn du sie brauchst.

Möglich
Spracheingabe, Speicher und Antwort entstanden an einem Abend, ohne Datenbank. Die Notizen liegen als Textdateien auf dem Server. Das Notizbuch ist offen: Was du Jishi sagst, kann danach jede Person lesen.
Offen
Später soll das auf einer selbst gebauten Uhr laufen: Ein ESP32 mit Mikrofon und Lautsprecher nimmt Gedanken offline auf wie ein Aufnahmegerät und überträgt sie zu Hause. Heute läuft die Spracherkennung beim Browser-Anbieter, in Chrome also bei Google. Wie viel Assistent ist uns das wert?

Web Speech API · Text-to-Speech · Web App Manifest · ESP32

Jishi ausprobieren

Selbstversuche

Monate mit Agenten, Apps für einen Moment, ein Umzug weg von der Plattform.

Karte 13Sieben Monate Reverse Engineering mit Agenten
Protokollblatt: am 1.1.2026 meldet der Agent completely decoded, rot durchgestrichen; sieben Monate später 200 begehbare Gebiete, 10'177 Zeilen Wissensbasis, 742 Screenshots, 55 Befunde
Grafik zeigen wir keine, sie gehört dem Hersteller.

Eine Welt aus der Disc

Ein PlayStation-Rollenspiel aus den Neunzigern, rekonstruiert aus dem Disc-Image: 200 Gebiete sind im Browser begehbar, mit Originaltexturen, Kollision, Figuren und Musik. In der ersten Nacht meldete der Agent «completely decoded!». Die Theorie hielt nicht. Bis es stimmte, vergingen sieben Monate.

Möglich
Agenten entschlüsseln Binärformate und MIPS-Code, auch in parallelen Wellen, und holen sich über einen Emulator selbst Vergleichsdaten.
Offen
Fortschritt kam erst mit harten Referenzen: Emulator-Dumps, Messwerte, echte Browser. Unsere Vorgabe an die Agenten: «Läuft im Browser» ist kein «fertig». Wer entscheidet, wann etwas fertig ist?

Reverse Engineering · Disassemblierung · MIPS · Ground Truth · Savestate · VRAM

→ Schlüsse 8, 10

Karte 14Becher und Trinkflasche
Zeichnung: links ein Pappbecher mit Trinkhalm, beschriftet mit Einweg-App, für den Moment; rechts eine Trinkflasche, beschriftet mit Mehrweg-App, robuster, mehr Fälle
Zeichnung von Claude nach Nicos Bild.

Einweg-Apps

Vielleicht haben wir jetzt eine neue Kategorie. Die Einweg-App ist der Becher: für den Moment, danach weg. Die Mehrweg-App ist die Trinkflasche: robuster, für mehr Fälle. Bei uns stehen schon viele Becher herum: eine Eule für den Foyer-Bildschirm einer Ausstellung, ein Timer für eine Tagung, ein Übe-Tool für einen einzigen Song, eine Mal-App für ein kleines Kind.

Möglich
Software für einen Menschen, einen Anlass, ein Lied. Robin Sloan nennt eine App für die eigene Familie eine selbstgekochte Mahlzeit.
Offen
Manche Becher bleiben stehen, und plötzlich trinken andere daraus. Wer merkt, wann aus einem Becher eine Flasche wird, und wer übernimmt sie dann?

Vibe Coding · Rapid Prototyping · Single-File-App · PWA

→ Schlüsse 2, 3, 4, 5, 10

Karte 15Raus aus der Plattform
Ein Haufen gedruckter Spielkarten mit gezeichneten Figuren
Die Karten sind gedruckt. Ihre QR-Codes müssen weiter funktionieren.

Net's Fetz

Die Website zum Kartenspiel über die digitale Welt hing an Weebly, npoint, imgur und Google Drive. Jetzt läuft sie auf eigenem HTML und einem kleinen PHP-CMS, ohne Datenbank und ohne fremden Hoster.

Möglich
Eine Website löst sich von vier Anbietern. Das war früher ein Projekt, heute ist es ein Umzug.
Offen
Gedruckte QR-Codes sind ein Wartungsversprechen. Karten mit dem Vermerk «gedruckt» lassen sich im CMS nicht löschen, und ein Cron-Job prüft regelmässig die Links. Wer hält dieses Versprechen in zehn Jahren?

Linkrot · Permalink · Flat-File-CMS · Cron · Vendor Lock-in

netsfetz.ch · → Schluss 4

Zehn Schlüsse

Vorläufig. Jeder verweist auf die Karten, aus denen er kommt. Unsere Haltung dazu steht ausführlicher in Mit Augenmass.

1

Sichten statt Sammlungen

Wir brauchen keine neue Linkliste und keine weitere Sammelwebseite. Die Inhalte liegen im Netz, und mit KI legen wir eine Sicht darüber: für ein Fach, eine Klasse, eine Frage. Kuration bleibt nötig. Sie zieht um, von der Liste zur Frage, welche Brille jemand aufsetzt und wer prüft, was sie zeigt.

→ Karten 4, 5, 6, 7

Standbild aus einem Code-Film: drei Brillen über einem Bildschirm mit Suchergebnissen
2

Generisch denken verliert seinen Grund

Generische Dienste waren die Antwort auf teure Software: Eine Lösung musste viele bedienen, sonst lohnte sie sich nicht. Jetzt kann sich jede Person die eigene App bauen. Wir können brutal individualisieren, für eine Klasse, ein Kind, ein Lied. Wer heute etwas für alle baut, muss begründen, warum.

→ Karten 3, 14

Standbild aus einem Code-Film: zwei Regale, Frischware und Eingemachtes
3

Die 5000. Quiz-App

Dieselbe Freiheit erzeugt die 5000. Quiz-App. Von aussen sieht sie aus wie AI Slop: viele Emojis, dunkles Design, man erkennt sofort, womit sie gebaut ist. Für die eigene Klasse kann sie trotzdem passen. Schwierig wird es, sobald wir sie anderen anbieten, denn dann wächst der Berg, den andere durchsehen müssen.

→ Karten 9, 14

Hunderte gleicher dunkler App-Kacheln, dazwischen eine von Hand gezeichnete Kachel mit einem Lächeln
4

Raus aus der Plattform, rein in den Betrieb

Doodle, Kahoot und ähnliche Dienste wurden gross, weil sie einfach und gratis waren. Heute kosten sie Geld, zeigen Werbung oder setzen Limiten. Cory Doctorow nennt das Enshittification. Selber nachbauen hilft dagegen, und das schaffen inzwischen auch Leute, die nicht programmieren.

Was sie noch schlecht abschätzen können: Webhosting, Datenschutz, Serverstandort, Traffic, Wartung. Wer den Drittanbieter kündigt, betreibt selbst. Zwei Ingenieure prüften 2025 1'645 Apps aus dem Schaufenster des Baukastens Lovable. Bei 170 konnte jede Person Daten der Nutzenden abrufen. Ist ein Root-Server besser als ein Abo? Manchmal. Vermutlich brauchen Schulen Informatiker:innen künftig weniger zum Bauen und mehr zum Beraten.

→ Karten 14, 15

Standbild aus einem Code-Film: eine gezeichnete Landkarte mit Wegweisern erklärt das Domain Name System
5

Der digitale Pinsel

KI gibt Menschen einen digitalen Pinsel in die Hand. Sie überspringen das Programmieren und machen die Fehler, die wir früher mit einem Informatik- oder Designstudium vermeiden wollten: keine Use Cases, kein Requirements Engineering, keine Spezifikation, keine Idee, was das Ding leisten soll. Ihre Plattformen sehen gut aus, weil die KI das Aussehen vorgibt. Benutzerfreundlich sind sie damit noch nicht.

Uns passiert das auch. Zu einem Agenten-Entwurf sagte Nico: «Du lieferst ein UI ab, wo einfach möglichst alles drin ist, was irgendwie mal gesagt wurde, aber du hast darüber nicht nachgedacht.» Im Vortrag nennt er das Gegenmittel sein Stethoskop: Das Handwerk kann man ablegen, das Abhören nicht. Jemand muss herausfinden, was andere brauchen und ob das beschriebene Problem das echte ist.

→ Karten 1, 14

Standbild aus einem Code-Film: ein Flussdiagramm auf Papier, daneben die Frage: Welches Spiel ist das?
6

«Wenn ich das mit Claude schaffe, warum schafft Microsoft das nicht?»

Der Gedanke kommt, sobald ein Abend mit Claude oder Codex etwas liefert, worauf wir bei grossen Anbietern seit Jahren warten.

Standbild aus einem Code-Film: ein offener Computer, daneben eine Tafel mit Regeln fürs Aufschrauben
7

KI beim Herstellen, nicht im Betrieb

Fast alles hier läuft am Ende ohne KI: die Sichten als statische Dateien, die Filme als MP4, die Suche als Tabelle im Browser. Die KI arbeitet einmal, vor der Veröffentlichung. Das spart Abos und Konten, die Daten der Nutzenden bleiben bei ihnen, und wir prüfen das Ergebnis, bevor es jemand sieht. Wo ein Modell im Betrieb rechnen muss, rechnet es möglichst im Browser, wie bei Lebendig. Die Ausnahme ist der Preisradar, dort arbeitet jeden Montag ein Agent.

Dahinter steckt ein alter Gedanke: Wir speichern die Bauanweisung. Ein Film ist ein Programm, eine Sicht ein Rezept, ein Stickmuster eine Schleife. Ein ganzer Shooter mit Texturen, Level und Musik passt komprimiert in 26 KB.

→ Karten 3, 4, 5, 8, 9

Standbild aus einem Code-Film: ein Frachtschiff mit Kisten und ein Kran am Hafen
8

Behaupten ist billiger als beweisen

Agenten melden Erfolge, bevor sie stimmen. Ein Agent sollte 133 Spielclips hart bewerten und behielt 123. Zwei Agenten desselben Modells teilen ihre blinden Flecken, und Simulator-Zahlen sind keine Kinder-Realität. Darum wandert unsere Arbeit vom Schreiben zum Urteilen: anhören, mit echten Fällen testen, Stichproben ziehen. Das macht weniger Spass, wenn eine KI das Ding gebaut hat.

→ Karten 4, 6, 9, 13

Standbild aus einem Code-Film: ein Wartezimmer mit drei Figuren und einer Tür zur Sprechstunde
9

Hindernisse gehören zum Spiel

Der Philosoph Bernard Suits beschreibt Spielen als freiwilligen Versuch, unnötige Hindernisse zu überwinden. Die KI räumt Hindernisse weg, beim Spielen suchst du sie. In einer Studie mit fast tausend Jugendlichen in der Türkei schnitten jene, die mit einem ChatGPT ohne Leitplanken geübt hatten, danach ohne KI 17 Prozent schlechter ab als die Gruppe ohne KI. Eine Version, die Tipps statt Lösungen gab, verhinderte den Schaden weitgehend. Wir gestalten deshalb, was Lernende selber tun, und lassen ihnen diesen Teil.

→ Karten 1, 2, 3, 11

Standbild aus einem Code-Film: Ein Roboter sortiert Früchte, links stehen Regeln, rechts Beispiele
10

Breite ist billig, Tiefe bleibt teuer

Ein spielbarer Prototyp entsteht heute in Minuten bis Stunden. Laut Zeitstempeln brauchte ein Shooter rund 35 Minuten, ein Aufbauspiel mit 4'500 Zeilen rund 73. Die Rekonstruktion auf Karte 13 brauchte sieben Monate. Die Frage wandert von «Kann man das bauen?» zu «Lohnt sich die Tiefe?». Das entscheidet keine KI.

→ Karten 13, 14

Standbild aus einem Code-Film: eine Achterbahn mit dem Titel Die Hype-Achterbahn

Was wir nicht wissen